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Geschichten sind geschliffene Träume

provokant, sinnlich, verführend

Seelenfraß

 

»Ich bin dein Shiva.« Etwas in mir breitet die Flügel aus und schwingt sich in die Luft. »Also werde ich mich dir zur Verfügung stellen. Das ist mein Job.« Ich schwebe, ganz von allein.

Joseph nimmt meine Hand, legt sie auf seine Brust. Sein Herz pocht gegen meine Finger.

Mein Flug unter ihm war so hoch. Ich habe die Sonne gestreichelt.

Was sind schon ein paar versengte Federn?

 

 

Dean Fitzgerald, Shiva im Begging Monk, Kowloon 2038, Hongkong

 

Gegenseitiges Autoreninterview mit Dima von Seelenburg und S.B. Sasori

 

Wie unwahrscheinlich ist es bitteschön, dass gleich zwei Auftragsmörder aufeinandertreffen? Okay, von Brangelinas Kassenschlager »Mr. und Mrs. Smith« von 2005 mal abgesehen. Aber das ist auch schon wieder vierzehn Jahre her.
So geschehen. Dieses Jahr. In der Anthologie »Like a (bad) dream«. Herausgegeben von Juliane Seidel handelt es sich um eine Zusammenstellung von 18+1 Kurzgeschichten rund um die Themen '18 Jahre' und 'Albträume'.
Die thematische Dopplung verursacht haben wir: S.B. Sasori mit der Kurzgeschichte »Achtzehn Gründe« und Dima von Seelenburg mit  der Story »Muskelspiele«. Doch damit nicht genug, unsere Beiträge eröffnen die vielseitige, abwechslungsreiche Anthologie sogar. Ein Zufall? Juliane schweigt sich aus, weiß angeblich von nix … Grund genug, um uns zusammenzusetzen. Wir laden Euch herzlich ein, bei unserem kleinen Plausch dabei zu sein. 


Dima:
Liebe Autorenkollegin S.B. Sasori, warst du auch so erstaunt, als du die Anthologie »Like a (bad) dream« in den Händen hattest und gleich zwei Kurzgeschichten mit Auftragsmördern gelesen hast? Ich dachte, mir fällt der eReader aus der Hand.
By the way: Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen?

 

S.B.:
Hallo Dima! Ja, war ich. Aber es hat mir gefallen, dass wir beide so unterschiedlich mit dem Thema umgegangen sind. Ich bediene mich gern schräger Vögel in meinen Geschichten und es ist auch nicht mein erster Auftragsmörder. Mich reizt es, die Schwarzweißtöne eines Charakters auszuleuchten, bis das Dunkle schillert und das Helle unerträglich blendet. In den Schattierungen aus Grau findet sich meist das, was einen Menschen ausmacht. Damit spiele ich gern herum. Begriffe von gut und böse lasse ich dabei außen vor.

(Achtung Spoiler!) Du hast es ähnlich gehandhabt. Dein Killer entschuldigt sich für seine Tat.

Dima:
Stimmt, sehr unterschiedlich. Du hast ihn sogar zum Protagonisten gemacht, das habe ich mich nicht getraut. Ich hatte Angst, dass sich Leser nicht mit einem Mörder identifizieren, Sympathie zu ihm aufbauen können. Dass dies doch gelingen kann, hast du mit Harke bewiesen. Machst du dir über so etwas im Voraus Gedanken?


S.B.:
Nein, nie. Die Geschichte ist in meinem Kopf und entwickelt sich so wie sie will. In erster Linie bin ich nur ihr verpflichtet, nicht den Lesern. Wenn es ihnen dennoch gefällt, super! Das sind die wundervollen Momente im Autorenleben. Aber wenn nicht, was auch hin und wieder vorkommt, dann ist es halt so. An diesem Punkt habe ich mich nur einmal von meiner damaligen Verlegerin zurückpfeifen lassen. Es ging um eine Szene, die echt gut war, aber sie meinte, da würden mich die Leser verlassen. Ich habe es bis heute bitter bereut, sie zu streichen. Das ist mir danach nie wieder passiert und wird es auch nicht mehr.

 

Nun zu deiner Geschichte: Die Familienmitglieder deines Protagonisten sind extrem garstig. Als Leser möchte man Mutter und Schwester aus der Geschichte schnippen. Was hat dich dazu veranlasst, die beiden derart gekonnt zu überzeichnen? (Ich liebe gut geschriebene Schurken. Von daher: danke dafür!)

 

Dima:
Da sagst du was. Ich bin nicht gerade dafür bekannt, böse Charaktere zu schreiben. Selbst der fiese Schul-Mobber Paul wurde in meinem Roman nach einer Weile zu einem echt liebenswürdigen Kerl. Vielleicht wollte das Böse und Fiese endlich aus mir raus und hat sich dann in Mutter und Schwester manifestiert. Wer weiß? 
Ein bisschen hat mich aber Juliane Seidels Ausschreibung angestachelt, in der sie gezielt auch albtraumhafte, düstere Geschichten haben wollte. Wobei ich gleichzeitig zusammenzuckte, weil ich immer wieder höre, wie gern Leser Happy-End- und Heile-Welt-Geschichten lesen. 
Wie ging es dir damit?

 

S.B.:

Ein echtes Bad End habe ich noch nie geschrieben. Aber ab und zu gönne ich mir ein sehr realistisches Ende, was etwas offen und teilweise auch dramatisch ist, aber der Situation angemessen. Wenn ich mich 400 Seiten lang im Mittelalter während der Inquisition herumtreibe und meine Protas schwul sind, ist es klar, dass sie am Ende weder heiraten noch Kinder adoptieren. Aber ich lasse sie ein Leben führen, das neben der Dunkelheit auch ein bisschen Hoffnung birgt. Doch das kommt immer auf die Grundstory an und in diesem erwähnten Fall hatte ich die beiden dermaßen zerfleddert, dass ich froh war, dass sie überhaupt noch lebten.

 

Zurück zu dir: Angenommen du hättest ein alternatives Ende im Kopf gehabt, wie hätte es ausgesehen? Ich frage nicht, weil ich das Bad End schlecht fand. Ganz im Gegenteil. Ich liebe Konsequenz beim Schreiben und bin begeistert von den letzten, wirklich sehr eindrucksvollen Sätzen, die ohne großes Drama dem Leser einen Schauer über den Rücken jagen, aber ich bin einfach neugierig, ob und wie viele Alternativen du dir im Kopf offengehalten hast.


Dima:
Das mag vielleicht verwundern, aber für mich stand das Ende von »Muskelspiele« zuerst fest und der Weg inklusive  Umwegen, wie ich dorthin kommen möchte. Deshalb gab es nie einen alternativen Ausgang für mich. Die Geschichte hätte für mich anders auch keinen Sinn ergeben. Ich wollte gerade den Gruselfaktor mit einfließen lassen. Hans' Schicksal war also schon besiegelt, als er noch bei Muttern saß.  
Apropos letzter Satz: Wie lange hast du an dem von »Achtzehn Gründe« gefeilt? Der ist dir ja genial gelungen!

 

S.B.:Der flog mir zum Glück zu. Für gewöhnlich brauche ich für die Enden meiner Romane zwei bis drei Anläufe, was meine Korrektoren und Lektoren schon von mir kennen und mit Humor nehmen. Sowohl meine Hektik als auch meine Varianten. Aber bei Kurzgeschichten flutscht das komischerweise immer problemlos ... bis jetzt! Das wollen wir mal nicht beschreien. 

 

Dima, der kleine Austausch mit dir war mir eine Freude! Ich hoffe, wir arbeiten noch öfter zusammen an ähnlichen Projekten. Das nächste wird wohl die Herbstanthologie der Kuschelgang sein. Das Thema hat uns ja beide angesprochen und ich bin gespannt auf das Ergebnis. Konsequenterweise sollten wir den Fokus auf „Der Gärtner ist immer der Mörder“ legen und danach dieses Interview wiederholen. 

 

Dima:
Ein schöne Schluss und eine grandiose Idee. Leider kommt sie zu spät, meine Kurzgeschichte und Debüt für die Kuschelgang-Anthologie ist bereits im Kasten. Auch mich hat es sehr gefreut, mich mit dir über unsere Geschichten zu unterhalten, liebe S.B. Sasori. 

 

 

So, das war’s von unserer Seite. Wir hoffen, wir konnten euch nicht nur auf unsere Geschichten, sondern auf Juliane Seidels gesamte Anthologie neugierig machen. Mit dem gesamten Erlös unterstützen wir den Verein vielbunt e.V., der queeren Flüchtlingen zur Seite steht.

 

Euch allen maximales Lesevergnügen, 

 

Euer Dima von Seelenburg und Eure S.B. Sasori

 

EINE ROSE FÜR DAS BIEST

Nachtjäger und Jagdfieber

 

Nachtjäger

Vincent lebt zurückgezogen von der Welt und versucht zu vergessen, was er ist. Ein Monster, das er weder kontrollieren noch bezwingen kann.

Als ihm Nina begegnet und ihn sowohl mit ihrer Schönheit als auch ihrer Stimme verzaubert, drängt seine Nachtseite an die Oberfläche. Er flieht, um Ninas Leben zu retten.Doch die junge Frau sucht ihn erneut auf, lockt die Bestie in ihm hervor und besänftigt sie auf eine Weise, die Vincent den Atem verschlägt.

 

Nathan führt die Gemeinschaft der Nachtjäger an. Als ihn Nina darum bittet, Vincents Leben zu retten, ist er gezwungen, gegen seine Instinkte zu handeln, denn mit Vincent holt ihn seine Vergangenheit in Tschechien ein und wirft einen Schatten auf alles, wofür er je gekämpft hat.

 

Jagdfieber

Vincent erhält von Nathan die Chance, sich der Gemeinschaft der Nachtjäger anzuschließen. Dazu muss er beweisen, dass es ihm gelingt, das Biest zu beherrschen. Versagt er, droht ihm der Tod.

Doch ausgerechnet die Liebe zu Nina provoziert seine Nachtseite weit über die Grenzen jeglicher Kontrolle hinaus.

Verzweifelt erkennt er, dass ihm keine Wahl bleibt, und er stellt sich dem Unvermeidlichen.

 

Nathans Widersacher tritt offen in Erscheinung und fordert ihn heraus. Aufgerieben zwischen dem Verrat seiner eigenen Leute und der bitteren Entscheidung, die ihm Vincent abverlangt, versucht er einen Krieg der Gemeinschaften zu verhindern.

Sein ehemaliger Lehrer und Anführer bietet seine Hilfe an.

Und weckt damit die schlimmsten Erinnerungen in Nathans Leben.

  

Eine erste, wesentliche kürzere und einbändige Fassung des Romans erschien 2012 unter dem Titel »Das Biest in ihm« im Sieben Verlag.

 

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